Die Lactatmessung ist wichtig, damit die Belastung im richtigen Bereich liegt. Um beispiels- weise die Grundlagenausdauer (Fettstoffwechsel) zu trainieren, darf nicht zu intensiv gelaufen oder gefahren werden. Ist die Geschwindigkeit zu hoch gewählt, wird nur der Kohlenhydrat- stoffwechsel trainiert, der die Ausprägung des Fettstoffwechsels unterdrückt.

Erst über das Messen der Lactatkonzentration erhält man eine objektive Rückmeldung über den Grad der muskulären Beanspruchung. Zudem wird die Belastungsherzfrequenz für die einzelnen Trainingsbereiche anhand der gemessenen Lactatwerte festgelegt. Die Herzfrequenz kann dann im täglichen Training zur Steuerung der Intensität herangezogen werden.
  
Lactat-Konzentration im Blut
  
Die Lactat-Konzentration im Blut steigt bei zunehmender Belastungsintensität als Folge einer zunehmenden anaeroben Energiebereitstellung an.

Durch Ausdauertraining wird erreicht, daß ein deutlicher Anstieg der Lactat-Konzentration erst bei höheren Belastungen erfolgt.

Zur Kennzeichnung der Ausdauerleistungsfähigkeit werden daher Lactat-Schwellen im Konzentrationsbereich zwischen 2 und 4 mmol/l
im arteriellen Blut herangezogen, einem Bereich, der als aerob-
anaerober Übergang bezeichnet wird.
  
Lactatmessung und Pulsfrequenzmessung
  
Die Pulsfrequenz wird als "inneres Maß" für die Einschätzung der Belastungsintensität beim Training empfohlen und verwendet.

Bekanntlich ist die Messung der Pulsfrequenz, also der Herzschläge pro Minute, äußerst praktikabel und weit verbreitet. Bei näherem Hinsehen wird aber klar, dass sie sich nur bedingt für exakte Aussagen eignet, da sie von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird, die nichts mit der Höhe der Trainingsbelastung bzw. -intensität zu tun haben. Zum Beispiel wird neben dem Alter auch die Veranlagung, die Sportart, der Trainingszustand und das Geschlecht die Höhe der Pulsreaktion stark beeinflussen.

Daher ist eine verbindliche Aussage zur Trainingssteuerung über die Pulsfrequenz allein im Grunde genommen nicht möglich und allgemeingültige Pulsvorgaben sind folglich nur mit Vorbehalt zu empfehlen. Es sei denn, man setzt die Herzfrequenz in Beziehung zu den genannten individuellen Besonderheiten und - noch wichtiger - zu einem weiteren inneren Belastungsmaß, der Milchsäure (Lactat).

Die Lactatmessung im Detail
  
Damit sich eine konstante BlutLactatKonzentration im Körper einstellen kann, muss eine gleichmäßige Belastung für jeweils mindestens 3 Minuten aufrecht erhalten werden.
  • auf dem Laufband (für`s Laufen, für Langlauf und Nordic Walking)
  • auf dem Ergometer (für Radsportler)

Um nun die Ausdauerleistungsfähigkeit zu ermitteln, sind nach jeder Belastungseinheit - im Regelfall pro Test zwischen 4 und 6 Belastungs- einheiten - die Lactatkonzentrationen bei unterschiedlichen Belastungsbereichen zu bestimmen und festzuhalten.

Mit den so gewonnenen Werten erfolgt anschließend die individuelle Testauswertung und Trainingssteuerung.

Als speziellen Service führen wir bei Gruppen ab 3 Personen die Lactatmessung auch gerne bei Ihnen direkt vor Ort durch.
Die Bewertung der Lactatmessung
  
Die Höhe des im Blut bestimmten Milchsäurewertes gibt ganz exakt an, ob sich eine Person vorwiegend aerob (es wird kaum Milchsäure produziert) oder anaerob-lactazied (es wird ein schneller Energienachschub benötigt, der über den Abbau von Glucose zu Milchsäure geschieht) belastet. Sie gibt damit auch indirekt Aufschluß über den Anteil, den die Fettsäuren an der Energiebereitstellung haben.

Aerobe Belastungen liegen vor, wenn aufgrund geringer bis mäßiger Belastungsintensitäten der  Milchsäure-Spiegel unter einem Wert von 2 mmol/l Blut liegt. Das deutet darauf hin, daß die Glucose größtenteils vollständig abgebaut wird. Doch um nicht zuviel von diesem kostbaren "Superbenzin" zu verbrauchen, greift der Körper bei solchen Belastungsintensitäten vorwiegend auf seinen "Dieselkraftstoff" zurück. Daher werden bis zu 60-70% also überwiegend Fettsäuren als Energiequellen benutzt. Nur 30-40% stammt der Energienachschub aus aeroben abgebauten "Superbenzin" Glycogen. Und nur in ganz geringen Maße wird zusätzlich auch der anaerobe Stoffwechsel benutzt, so daß die Ruhewerte des Lactat-Spiegels in Höhe von etwa 0.5 bis 1.5 mmol/l Blut kaum überschritten werden.

Da der Energienachschub bei geringen Belastungen nur langsam erfolgen muß, reicht der träge, aerobe Abbau der Fette in den Muskelkraftwerken fast vollständig aus, was darüber hinaus den Vorteil hat, daß die eher begrenzten Glykogenvorräte geschont werden. Liegen dagegen höhere Belastungsintensitäten vor, vergrößert sich allmählich auch der Anteil der anaeroben Energienachlieferung unter Bildung von Lactat. Je intensiver die Belastung, desto mehr Lactat wird gebildet. Diese intensiveren Belastungen finden dann bereits im sogenannten aeroben-anaeroben Übergangsbereich statt - der Lactatwert erreicht dann bereits Werte zwischen ca. 2 und 4 mmol/l. Sind die Belastungsintensitäten gerade so hoch, daß bereits Lactat von 4 mmol/l anfällt, so kann der Organismus gerade noch die Lactatbildung ausgleichen und damit den Lactatspiegel konstant halten, das sogenannte Maximale-Lactat-Staedy-State (MaxLASS) ist erreicht.

Verständlicherweise sind diese Lactatwerte ein Zeichen dafür, daß jetzt immer stärker der "Superkraftstoff" Glykogen ins Spiel kommt, der zunächst noch vorwiegen aerob, bei noch höheren Belastungen aber immer stärker anaerob abgebaut wird. Die Fette haben jetzt immer weniger Bedeutung und sind schon bei mittleren Belastungen von 4 mmol/l lediglich noch mit etwa 20-30% am Energienachschub beteiligt.

Bei Belastungen, die so intensiv sind, daß der Lactatwert über 4 mmol/l hinausgeht, wird trotz gleichbleibender Belastung der Lactatspiegel weiter steigen. Die Energie in diesen intensiveren, submaximalen Trainingsbereichen wird jetzt immer mehr durch Verbrennung von "Superbenzin" nachgeliefert. Wegen des hohen Bedarfs der arbeitenden Muskelzellen an Energienachschub wird jedoch nur noch zu einem geringen Teil der langwierige aerobe Weg und zu einem immer stärkeren Teil der doppelt so schnelle anaerobe Weg mit Bildung von Lactat genutzt. Die Fette dagegen verlieren jetzt fast vollständig an Bedeutung; ab etwa 7-8 mmol/l, wo man allmählich maximale Belastung erreicht, taugt der "Dieselkraftstoff" Fett dann überhaupt nicht mehr.
Die Aussagekraft einer Lactatbestimmung ist zeitlich begrenzt
  
Die Lacatatbestimmung sollte nicht kurz nach einem Wettkampf durchgeführt werden, da sich der verbrauchte Kohlehydrat- speicher erst nach ca. 24 bis 36 Stunden wieder regeneriert.

Eine Lactatmessung in Verbindung mit einem individuellem Trainingsplan hat je nach Trainingsumfang ca. 12 Wochen Gültigkeit, danach sollte sich Ihr Lactatwert im Verhältnis zur Leistung verringert haben. Für eine weitere Leistungssteigerung ist somit eine erneute Lactatmessung mit einem entsprechend angepasstem Trainingsplan notwendig, der je nach Interesse die Grundlagenfitness auf die gestiegene Leistungsfähigkeit anpasst oder die Trainingsphase zur Wettkampfvorbereitung einleitet. Nur so wird gewährleistet, dass Sie während der Trainingseinheiten in Ihrem optimalen Leistungsbereich trainieren und weder Trainingspotential verschenken noch ein Übertraining einleiten.


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